Gebrüll zum Wochenstart

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Ich sitze in meinem zweiten Wohnzimmer und mache meinen „Wochenstart“. Und plötzlich hören wir alle massives Gebrüll. Autos bleiben stehen, unter anderem auch eins von der Polizei, alle schauen etwas verwirrt (die Polizisten eher so „WTF-let’s-get-ready“-mäßig), jeder suche die Quelle.

Wir finden: Einen Mann. Glatze. Strick…irgendwas (keine ahnung wie man das nennt, so ne art Strickjacke, aber ganz lang, bis unter die Knie). Weißes Hemd drunter. Brüllt alles zusammen, „er gegen die Welt“-Style, und ziemlich unzusammenhängend bzw. unverständlich.

Ah, das kennen alle irgendwoher, jeder entspannt sich, OK, weitermachen.

20 Sekunden später steht er im Café, und will ein Croissant. Auf seine bereits demonstrierte Art und Weise.

Alle sind etwas überfordert.

Bevor das komisch wird stehe ich auf, meine „Was willst’n?“ – er entscheidet sich für einen Pistazienkuchen, ich sage „komm mach mal klar, geht auf mich“. Er bedankt sich total lieb, will mir noch irgendwie Geld geben, und zieht fröhlich lächelnd mit dem Kuchen wieder in die Welt hinaus.

Draußen brüllt er noch paar einzelne Wörter, schaut den Kuchen an, und verlässt die Szene.

Alle sind happy.

Und kurz darauf denke ich, was würden AfD, Merz & Co mit solchen Menschen machen? Wie stehen die eigentlich zueinander? Merz hätte ganz ganz ganz heimlich vermutlich nichts gegen abgeschottete, hm, „Betreuungs-Einrichtungen“ einzuwenden, vermute ich mal, hauptsache „weg“ – schließlich bekommt man den ja mit keinem Aufwand der Welt mehr zum arbeiten. Faule Sau halt. Bei der AfD hält sich die Heimlichkeit wohl eher in Grenzen, und vielleicht könnte man ja eines dieser berühmten Rüstungsgüter zur Lösung des Problems einsetzen.

Aber vielleicht tue ich beiden ja Unrecht. Wer weiß. Ist ja auch nur so meine Einschätzung. Selbst wenn, sympathischer werden beide mir wohl trotzdem nicht.

Womit ich aber garantiert richtig liege ist, dass ihnen allen (Merz, die merz’sche CDU, sowie die Faschos von der AfD) solche Menschen einfach egal sind.

Trotzdem sind sie ja da.

Was mich zu einem anderen kleinen Erlebnis bringt. Vor Therapie, Donnerstags, kaufe ich immer zwei Cappuccino – einen für mich, einen für Frau Therapeutin. Auf dem Weg zum Shop der Wahl werde ich von einer Gestalt angesprochen, die neben dem Geländer der UBahn-Rolltreppe sitzt. Rotes gesicht, sieht sehr kaputt aus, daneben eine 0.7er Flasche Korn, dreiviertel leer.

Ich schüttele nur den Kopf und gehe vorbei. Dann überlege ich mir, warum eigentlich, und kaufe diesmal drei Kaffee,

Auf dem Rückweg gebe ich ihm einen, und meine „hier, lass es dir schmecken“.

Und was mich bis heute beschäftigt: Er bedankt sich mehrfach, und fragt irgendwann „hey, ich hab hier irgendwo noch einen Euro, willst du den haben? Kann ich dir geben! Warte, ich schau mal, kannst du haben!“.

Natürlich nicht.

Aber hey.

Jemand, der wirklich absolut gar nichts hat möchte mir davon noch was abgeben.

Die Vergleiche ziehen sich von selbst.