Net Neutrality, whatever

Dec 15, 2017 17:08 · 656 words · 4 minute read das nervt

In den Vereinigten Staaten wurde gerade die Netzneutralität abgeschafft.

Warum das tragisch ist.

20 minutes into the future

(Dank an Max Headroom für diesen geilen Slogan)

Kabel Deutschland hat leider, leider, tut uns soo leid, da können wir leider nichts machen, das ist die Policy hier, nur einen Vertrag mit Amazon Prime. Weil Amazon es sich leisten kann halt. Daher ist netflix nicht wirklich nutzbar. So sorry.

Vodafone mobile dahingegen partnert mit Facebook, also läuft Whatsapp einwandfrei. Außerdem partnern sie mit MicroSoft, daher ist - again, so sorry, so sind die Verträge - leider nur Bing erreichbar, und nicht Google, oder Google maps.

Was??

Ja, das Netz ist nicht mehr neutral - Netzneutralität halt. Ohne das können Daten von verschiedenen Diensten unterschiedlich behandelt werden, je nachdem welcher Anbieter mit welchem Provider gerade wie partnert.

netflix gibts dann nur für 10 Filme / Monat, weil - again, so sorry - danach das Kontigent erschöpft ist. Klar, sie können gerne nochmal nachbuchen, für nur 5,99 EUR gibts nochmal 10 Filme, also 15 GB. 4K ist da natürlich nicht drin, so sorry, da müssten Sie schön den 4K Tarif abschließen. Amazon Prime geht natürlich als unser Premiumpartner, schauen Sie doch einfach dort? Sie werden sehen, auch ganz tolle Filme!

Alles Schwarzmalerei? Nö, ist bereits passiert, in sehr ähnlicher Form.

Aber um fair zu bleiben, man will ja gar nicht (nur) den Privatkunden schröpfen. Das geht nur so schön nebenbei, weil der wehrt sich so selten, und zahlt so schön. Der wahrhaft unhaltbare Zustand ist, dass da einfach irgendsoeine dahergelaufene Firma kommen kann und mal eben mir nichts dir nichts irgendein altes Geschäftsmodell kaputtmachen kann. So wie … Spotify zum Beispiel.

Wie praktisch wäre es doch, wenn man einfach ganz ganz viel Geld von Spotify verlangen würde? Logisch - Spotify verursacht eine Menge Datendurchsatz, wäre doch nur fair wenn die dann auch ordentlich die Netzbetreiber entlohnen! Schließlich leiten die den Verkehr ja auch durch. Dumm nur dass sich dass dann für Spotify nicht mehr rechnen würde. Ach wie schade. Vielleicht könnte man ja im Gegenzug, als Ausgleich quasi, mit Sony Music partnern. Dann geht doch einfach als Alternative auf unseren Sony Music Shop und kauft eine CD, da fällt dann auch kein Datenvolumen an. So nett sind wir!

Spotify klagt übrigens gerade gegen Apple aus einem quasi identischen Grund. Apple möchte bei Abrechnung über den App store 30% des Abopreisses von Spotify haben. Diese fallen natürlich für den eigenen Musikdienst aber nicht an, bzw. bleiben im eigenen Haus. Das klingt irgendwo fair, irgendwie bleibt aber ein “Geschmäckle”, oder? Komisch dass die beiden zufälligerweise Konkurrenten sind, und, sorry, das sind eben unsere Regeln. Alle müssen halt 30% abtreten, und nein - leider, leider dürfen Sie nicht dafür werben das extern abzuschließen, sonst müssen wir Sie leider aus dem App Store rauswerfen. Dumm nur dass iOS Kunden halt die zahlungskräftigsten sind.

Jaja, alles Verschwörungstheorien, ich weiß. Dann eben einfach - man möchte ein etwas leichteres Leben und so hässliche datenintensive Dienste einfach nicht haben - wie weiter oben schonmal erwähnt. Ist doch nett wenn man sich so Investitionen einfach vom Hals halten kann.

Leider …

… interessiert sich kein Schwein dafür. Ist ja auch abstrakt, und irgendwie geht ja auch alles, und was regst du dich denn so künstlich auf.

Tja.

Wir alle sind ohne Internet inzwischen aufgeschmissen. Und trotzdem begreifen wir nicht wie unglaublich wichtig ein offenes, neutrales Netz ist. Vermutlich weil es - und das ist das Stichwort: - bisher einfach auch genau so war.

Doch so wird es nicht bleiben.

Die Industrie steht nicht nur bereit, sie hat gelernt, und handelt. Das ist OK, das darf sie. Und wenn wir zu blöd sindn das geschehen zu lassen darf sie auch gewinnen, denn dann haben wir es nicht anders verdient.

Wäre allerdings schön wenn das irgendwann mal auch die breite Masse kapiert. Oder sind wir schon so “gebrainwashed” durch die ganzen Mobil-“Flatrates”, das wir es einfach nicht mehr anders erwarten?