Musigg & Hundeblicke

Nov 17, 2012 10:03 · 308 words · 2 minute read lustig menschen traurig

Jemand hat mal zu mir gesagt, in Darmstadt sei die gefühlte Anzahl “komischer Menschen” höher als irgendwo sonst.

Naja. Hier in Nürnberg laufe ich die Straße lang, und inzwischen sehe ich ziemlich viele Menschen, die so mit sich selbst vor sich hinmurmeln. Keiner aber so auffällig wie der erste vor ein paar Monaten, der ein Telefonat zu führen schien. Bis er anfing, seinen “Gesprächspartner” rüde zu beleidigen, dann stehen blieb, mit den Armen in der Luft wedelte, und nur noch “Idiot!! Dieser Idiot!!” schrie.

Naja.

Und morgens beim Bäcker kommt regelmäßig “Carsten” rein. (Oder Karsten, aber wer weiß das schon). Der macht folgendes:

[Auftritt Carsten]

Ma' 'mer ma' Musigg??
Muss ja fragen. Kann ja net einfach so Musigg machn!
Also, ma' 'mer ma' Musigg?
MUSIGG??!!??

Erst fragen vor'm Musigg machn.
Musigg?
Ma' 'mer ma' Musigg?

Musigg???

[...]

Das geht so 5-10 Minuten, dann geht er wieder. Auch neulich beim Bäcker, ich wollte nur was mitnehmen, und die Dame neben mir redet die ganze Zeit. Auch mit sich selbst. Hatte auch so einen abwesenden Blick dabei.

Die sind ja alle noch irgendwie … verträglich, aber mein persönlicher Horror sitzt in der Unterführung, durch die ich laufen muss, um zur Arbeit zu kommen. Da sitzt nämlich ein Penner, mit einem Rauschebart, der sieht aus die der Weihnachtsmann. Und der sitzt da, in der Mitte der Unterführung, und friert. Oder so. Und immer wenn jemand vorbeikommt sitzt er da, schaut einen direkt an, lächelt sein recht zahnloses Weihnachtsmannlächeln, schaut geprügelter und treuer als der geprügeltste und treueste Hund, sagt so etwas wie _“Guten Tag_, und ist einfach nur da.

Und ich bringe es nicht fertig, da vorbeizugehen. Die Masche - falls es eine ist - zieht so gewaltig bei mir, das ist nicht fein. Ich gehe inzwischen sogar manchmal einen Umweg, damit ich den Hundeblick nicht sehen muss. Es ist furchtbar.