Flugregeln erklärt

Oct 30, 2012 11:15 · 582 words · 3 minute read fliegen

Das wird ein Doppel-Post über einen Brief vom LBA den ich bekommen habe, und deren kommunikativ eher wenig begabte Absenderin. Allerdings gönne ich mir den Luxus und hole dafür mal ziemlich weit aus.

Ein Pilot braucht für jedes Flugzeug, dass er fliegt, eine sog. “Musterberechtigung”. Bei kleinen Maschinen tuts auch eine “Klassenberechtigung”, d.h. in diesem Fall einfach “SEP” oder “MEP” für Single-Engine-Piston oder “Multi-Engine-Piston”. Hat man eine solche SEP oder MEP Klassenberechtigung darf man eben alle Kolben(!)-getriebenen Propellerflugzeuge mit entweder einem (SingleEngine…) oder zwei (MultiEngine…) Motoren fliegen.

Fliegen selbst kann man unabhängig vom Flugzeug auf zwei verschiedene Arten: Auf Sicht, oder nach Instrumenten. Auf Fliegerdeutsch heißt das: Fliegen unter VFR oder IFR - Visual oder Instrument Flying Rules.

Zuerst VFR - fliegen auf Sicht. Der Pilot fliegt los, hat eine Karte auf dem Schoß, und der Flug hört sich in etwa so an: “Okay, hier erst mal den Rhein entlang bis zur nächsten Schleife … Moment, Verkehr in Sicht auf 10h, ca. 1000 Fuß tiefer, ok, keine Gefahr. Also weiter … okay, Schleife in Sicht, dann müsste laut Karte da ein Fernsehturm - ok, gefunden, dann also laut eingezeichnetem Kurs auf der Karte hier links in Richtung auf ein paar Schornsteine da hinten … ja, da sind sie, und dann müsste der Flugplatz in etwa an der Stadtkante liegen, an so einem Waldstück … ah, gefunden. Okay, ich melde mal gleich den Gegenanflug …”. Voraussetzung ist natürlich - man sieht überhaupt etwas. Visual flying rules. Plakativ ausgedrückt - gibts Wolken? Nix fliegen. Die Karte auf dem Schoß (siehe Bild) sieht ähnlich aus wie eine Wanderkarte - mit Höheninformationen, Straßen, markanten Punkten (Schornsteine, Fernsehturme), Gewässern, und ein paar Informationen über Lufträume und Flugplätze.

Jetzt stelle man sich vor, in Frankfurt müssten alle Flieger stehenbleiben, wenns bewölkt ist. Schwer vorstellbar, oder? Daher existieren parallel die Instrument Flying Rules (IFR), d.h. der Flug wird auf Basis von Instrumentenanzeigen durchgeführt. Der Pilot muss nur noch in der allerersten Phase des Fluges (beim Start) und der allerallerletzten Phase des Fluges kurz vor der Landung gerade mal die Bahn sehen. In der Zwischenzeit fliegt er mit Hilfe von sog. “Waypoints” (basierend nur auf GPS-Koordinaten) und auf dem Boden aufgestellten Funkfeuern (VORs, NDBs). Diese werden durch - vereinfacht ausgedrückt - “Luftstraßen” verbunden. Die geplante Flugroute ist vorher mit Hilfe eines Formulars den Behörden bekannt gemacht worden, und der Pilot steht in ständigem Kontakt mit und unter RADAR-Kontrolle der zuständigen Flugverkehrskontrollstelle. Während des Fluges fliegt er dann ausschließlich und exakt das, was ATC (Air Traffic Control) ihm über Funk mitteilt (was nicht nicht mit dem aufgegebenen Plan übereinstimmen muss). Die Waypoints und Funkfeuer kann man sich als recht enges Netz von Punkten vorstellen, die über die ganze Welt verteilt sind. Die Karte, die hier verwendet wird, enthält nur Informationen über die Wegpunkte und die dazwischenliegenden “Luftstraßen”, und überhaupt keine (oder gerade mal einen Küstenverlauf) Informationen über die geographischen Begebenheiten am Boden. Warum auch - wir sind ja in Wolken und sehen nix … .

Lizenztechnisch ist fliegen unter VFR viel einfacher als unter IFR, da man viel weniger Regeln hat, und praktisch einfach losfliegt den Rhein entlang. (Salopp ausgedrückt). Daher muss man für VFR und IFR getrennte Lizenzen machen (erst VFR, dann IFR). Eingetragen wird eine VFR-Lizenz als “PIC” (Pilot in Command), also als Recht, ein Flugzeug als verantwortlicher Luftfahrzeugführer zu führen. Eine IFR Lizenz wird als “IR” eingetragen, das steht für “Instrument Rules”, wobei man sich das “PIC” sozusagen im Kopf dazudenken kann.

So viel erst mal für jetzt.