Dem Deutschen sein Handtuch

Aug 26, 2012 13:40 · 530 words · 3 minute read das nervt das rockt idioten luxus+dekadenz menschen

Die Idee: Abends in die Sauna, gemütlich Aufgüsse machen, entspannen, essen, mehr entspannen, mehr Aufgüsse, haaach … herrlich. Und es könnte ja so angenehm sein, wäre da nicht der Teil in des Deutschen kollektiver Seele, der offenbar irgendwann einmal seiner Liege beraubt wurde während er sein Handtuch suchte.

Um neun Uhr abends (Einlass theoretisch um 22:00h) war bereits jetzt jede einzelne Liege besetzt - mit Handtuch. Bzw. gerne auch mehreren, als solle die Anzahl ausdrücken, wie ernst es den Belegliegern damit sei. Echte liegende Personen zählten wir vier. Ganz besonders dreist machten es drei Damen (aus denen man auch vier oder fünf hätte machen können), die in den Sofabereich vor dem Ausgang zur Sauna ihr gefühlt halbes Wohnzimmer entpackten und noch - als Barrikade quasi - eine eilends gesicherte freie Liege quer davorstellten: Hier war BESETZT. Den ganzen Abend über waren nie mehr als die Hälfte der Liegen mit echten Menschen besetzt. Unsere zweite Anmerkung dem Personal gegenüber brachte den Bademeister dazu, alle bis auf vier tatsächlich belegte Liegen freizuräumen - 15 Minuten Später waren die Handtücher wie von Zauberhand wieder da, als hätten sie ein Harry Pottersches Eigenleben, denn von ihren Besitzern nach wie vor keine Spur.

Um kurz nach Mitternacht hätten wir dann doch gerne mal die Füße hochgelegt. Ich sah drei Liegen, die ich an dem Abend noch nie besetzt gesehen hatte. Eine Dame füllte sich dort gerade aus einem mitgebrachten Piccolo-Fläschchen ein Gläschen ab und verschwand wieder zu ihrem Sitzplatz im Thekenbereich. Das sah zumindest so aus als dauerte das länger, also räumte ich zwei Liegen frei, wir legten uns hin, Handtuch über die Augen, und dösten.

Es dauerte 5 Minuten.

“Entschuldiung!”

“Hm?”

“Das ist ja unglaublich! Es sind genug Liegen frei hier!!”

“Ah, nein.”

“Doch, dann muss man halt mal seine Augen aufmachen und ein paar Schritte gehen, das ist ja eine Frechheit, was für Leute es gibt, es sind wirklich genügend Liegen frei, unerhört, wenn man so faul ist!!”

“Nein, glauben Sie mir, ich hab geschaut.”

“Doch, dazu muss man halt mal schauen!! Frechheit! Überall sind hier Liegen frei!!”

“Ach, ok, von mir aus.”

(Die Frau mischt sich ein)

“Was soll denn das? Ich habe die Information dass heute Abend das Liegen freiräumen nicht gilt!!”

“Nun, doch.”

“Nein! Doch! Ich habe doch extra gefragt, das ist heute anders!!”

“Tja, leider nicht.”

(Eine Servicekraft kommt vorbei)

(Frau) “Hallo! Sie! Wie ist das denn heute? Ich habe vorhin gefragt, da hieß es heute werden die Liegen nicht freigeräumt!! Wie ist denn das?”

(Servicekraft) “Naja, doch, es ist so, und es wird auch immer von uns darauf hingewiesen, es steht auch auf den Schildern, also reservieren ist nicht gestattet eigentlich …”

(Frau) “Aber ich habe doch extra gefragt! Man sagte mir das sei heute anders!”

(Servicekraft) “Also, nein, tut mir leid, …”

(Frau versucht es anders, stellt sich vor mich) “Also, na gut, würden Sie aufstehen, damit ich mich hinlegen kann?”

(Ich) “Nein.”

(Mann, gezischt) “DRECKSACK!”

(Ich) …

(Alle) “Unverschämtheit … was für Leute … ist heute anders … Frechheit …” etc.

Als sie 20 Minuten später wiederkam und ein paar Sachen holte trat sie mir absichtlich zweimal gegen meinen Ellenbogen, der leicht über die Armlehne überstand.